Verhalten

Beim Verhalten von Papageien denkt man irgendwie sofort an Verhaltensprobleme. Schreien, Federrupfen, Beißen, Aggressivität oder ähnliches. Vögel, die nicht mit dem Menschen zusammensein wollen, sondern sich bei jeder Gelegenheit scheu verstecken, oder Vögel, die sich nicht mit ihresgleichen vergesellschaften lassen.

Verhalten ist jedoch jegliches Agieren der Vögel. Mag es, aus menschlicher Sicht, zu Problemen führen oder nicht. Wichtig ist, das Verhalten der Vögel genau zu beobachten und einzuschätzen lernen. Wichtig ist dabei auch, die Tiere nicht zu vermenschlichen, sondern sie als das zu sehen, was sie sind: Papageien. Langflügelpapageien. Mohrenkopfpapageien. Und wie solche verhalten sie sich auch. Abhängig natürlich von ihrem Vorleben. Ob sie aus der Wildnis herausgefangen und nach Deutschland transportiert worden sind. Ob sie als Jungtier von den Eltern weggenommen und isoliert von Artgenossen von Menschen aufgezogen worden sind. Ob sie bisher in einer großen Flugvoliere oder in einem kleinen Käfig gelebt haben.

Mohrenkopfhenne bei der Gefiederpflege

Foto: Mohrenkopfhenne bei der Gefiederpflege

Jedes Verhalten hat einen Grund. Jedes Verhalten kann in normaler oder in übersteigerter Form vorliegen. Verhalten kann sich ändern, wenn sich die Voraussetzungen ändern.

Sind Mohrenkopfpapageien besonders scheu?

Mohrenkopfpapageien sind von Natur aus recht Schreckhaft. Sie lassen sich aber durchaus zähmen, wenn es auch, je nach Vogel, mehr oder weniger Geduld und Zeit brauchen kann. Auch bei den Mohren gibt es Draufgänger und eher vorsichtige Zeitgenossen.

Wildfänge, so heißt es, werden selten zahm. Damit habe ich keine Erfahrung, kann es mir aber schon vorstellen, da die Tiere in freier Natur schon sehr scheu sind und keinen Kontakt zu Menschen pflegen. Dies ist aber mit hier geborenen und mit Menschen aufgewachsenen Mohrenkopfpapageien nicht zu vergleichen. Mohrenkopfpapageien sind zwar im Grunde immer noch Wildtiere, eine gewisse Domestizierung hat jedoch auch hier schon stattgefunden. Dies ergibt sich beim Vergleich der älteren Literatur über Mohrenkopfpapageien, wo oftmals ein übermäßig scheues Verhalten beschrieben wird, welches bei den hier gezüchteten Mopas nicht mehr in dem Maß zu beobachten ist, trotz der teilweise erst wenigen Generationen vom Wildfang bis heute.

Richtig ist jedoch, dass Mohrenkopfpapageien zumeist relativ schreckhaft sind. Auch zahme Tiere können schon mal auffliegen, wenn eine ungewohnte Situation sie überfordert. Dies liegt mit daran, dass Vögel Fluchttiere sind. Für den Halter bedeutet dies, dass man sich, vor allem in der Anfangszeit, besser mit ruhigen, langsamen Bewegungen den Tieren nähert und Gewohnheiten schafft, die sie kennen. Bei mir kündigt z.B. jedes Mal ein „Achtung“ an, wenn ich durch die Voliere durchlaufen möchte. So sind sie mit der Zeit darauf gefasst und können sich darauf einstellen. Denn bei einem unkontrollierten, erschreckten Aufflattern hat sich ein Vogel auch schnell verletzt.

Wichtig ist auch, zu wissen, dass Naturbruten keineswegs von Anfang an zahm sind. Ein gewisser Einsatz an Zeit und Herzblut ist schon gefordert, um das Vertrauen der gefiederten Freunde zu gewinnen und eine Bindung aufzubauen. Mit der Zeit können aber auch Naturbruten sehr anhänglich und zahm werden.

Sind Mohrenkopfpapageien besonders aggressiv?

Auch hier gibt es natürlich Charakterunterschiede von Vogel zu Vogel. Eine Rolle spielen kann auch die Vorgeschichte, die Haltungsbedingungen (Mohren brauchen viel Platz!) und vor allem die Hormone. In Brutstimmung neigen besonders die Hähne zu aggressivem Verteidigungsverhalten, wie wir das auch von anderen Papageienvögeln kennen. Dass Mohren im Vergleich zu anderen Papageien besonders aggressiv gegenüber Menschen sind, kann ich nicht feststellen. Auch hier ist der Umgang mit den Vögeln von einiger Bedeutung. Ein Bedrängen der Vögel kann schon mal Abwehrverhalten auslösen und sollte möglichst unterlassen werden. Ein behutsamer Umgang und eine gute Beobachtung der Vögel hilft Attacken zu verhindern.

Nicht unterschätzen darf man allerdings das Aggressionsverhalten, welches Mohrenkopfpapageien in der Zuchtphase ihren Artgenossen oder eventuellen anderen Volierenmitbewohnern gegenüber an den Tag legen. Auch dies ist natürlich Verteidigungsverhalten und ergibt sich aus der Tatsache, dass sie sich in den Volieren in der Regel nicht wirklich aus dem Weg gehen können. In der freien Natur verlassen die Vögel, wenn sie geschlechtsreif geworden sind, die Familienverbände, verpaaren sich und gründen, irgendwo weit weg von den anderen, eine eigene Familie. In den Volieren ist dies nicht möglich, so kann es zu Kämpfen kommen, die sogar den Tod einzelner Vögel zur Folge haben können. Von daher ist es nicht ratsam, mehr als ein Paar geschlechtsreife Mohren zusammen in einer Voliere zu halten oder Mohrenkopfpapageien zusammen mit anderen Arten zu halten. Ein Elternpaar zusammen mit noch nicht geschlechtsreifen Jungtieren geht gut, aber wenn die Jungtiere geschlechtsreif werden, ist Vorsicht angesagt. Da kann von einem Tag auf den anderen, besonders bei den Hähnen, das Verhalten umschlagen. Aggressionen können bei Brutigkeit auch gegenüber anderen Papageien entwickelt werden. Daher ist auch nicht anzuraten, Mohrenkopfpapageien mit anderen Papageien zu vergesellschaften. Dies geht meistens nur außerhalb der Zuchtphase eine Zeitlang gut.

Diese Aggressionen während der Brutphase, auch gegenüber Artgenossen, tritt aber nicht nur bei Mohrenkopfpapageien auf, sondern auch bei den anderen Langflügelarten und vielen anderen Papageien und Sittichen. So gesehen sind Mohrenkopfpapageien nicht aggressiver als Wellensittiche. Was aber daran liegt, dass auch Wellensittiche ziemliche Bestien sein können, wobei hier eher die Hennen die angriffslustigen sind, die sich im Streit um einen Nistkasten auch bis aufs Blut bekämpfen können, während bei den Mohren eher die Hähne zur Aggressivität neigen. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel!

Im Großen und Ganzen sind die Mohren liebe, umgängliche Tiere, etwas unsanft und rüpelhaft manchmal im Umgang miteinander, aber ganz gut zu handhaben. Probleme gibt es meist nur bei den genannten Haltungsfehlern.

Neigen Mohrenkopfpapageien zu Verhaltensstörungen?

Ich sage: Nein. Man hört und liest zwar schon ab und an von Mohrenköpfen, die zu Schreiern oder Rupfern geworden sind oder aggressives Verhalten ihrem Pfleger gegenüber an den Tag legen. Da muss man aber immer auch die Haltung betrachten. Mohrenkopfpapageien, die wie hier beschrieben in großen Volieren leben, viel fliegen dürfen, viel abwechslungsreiche Beschäftigung sowie ein passendes Partnertier haben, werden in den allerseltensten Fällen Verhaltensstörungen entwickeln.

Video: Normales Putzverhalten einer Mohrenkopf-Henne

Mohrenkopfpapageien sind, nach Graupapageien, die in Deutschland am häufigsten gehaltenen afrikanischen Papageien. Von daher muss man sich natürlich auch nicht wundern, wenn man hin und wieder auch von problematischen Tieren hört. Vor allem wenn man bedenkt, dass Mohrenkopfpapageien doch sehr alt werden können und die Erkenntnisse über eine tiergerechte Haltung (Partnertier!) sich erst in jüngster Zeit so langsam durchsetzen.

Eine Herausforderung ist es, ein bereits verhaltensauffälliges Tier aus schlechter Haltung zu übernehmen. Besonders das Federrupfen lässt sich in vielen Fällen gar nicht mehr abgewöhnen. Trotzdem ist es immer eine schöne Sache, wenn die Lebensqualität eines solchen Tieres verbessert werden kann und langsam Vertrauen entsteht. Ob man sich als Papageienanfänger an ein solches Tier heranwagen möchte, sollte allerdings gut durchdacht und vorbereitet sein, denn es nützt niemandem, wenn ein Vogel dann wieder abgegeben wird und eine weitere Station durchläuft. Papageien haben nämlich, neben allen anderen Bedürfnissen, auch das Bedürfnis nach Beständigkeit!

Welches Verhalten kann man vom Mohrenkopfpapagei erwarten?

Wie verhält sich ein „normaler“ Mohrenkopfpapagei? Hier haben wir, wie bei jedem anderen Tier, und auch beim Menschen, eine große Bandbreite. Mohrenkopfpapageien sind echte Charaktertiere, jeder ist anders. Sie haben ihren eigenen Kopf. Wenn sie gut gehalten, gut behandelt, werden, sind sie freundlich, verspielt, lustig, gerne zu Unfug aufgelegt, agil und lebendig mit entsprechenden Ruhephasen, immer für ein Leckerchen zu haben, lernbereit, intelligent, wie schon angesprochen meist etwas schreckhaft, gerne mißtrauisch bei allem Neuen, meist von robuster Gesundheit, manchmal stur, verteidigungsbereit in der Zuchtphase, gerne mal lieb und verschmust, dickköpfig, kontaktfreudig, und sicher noch viel mehr. Es ist schon so, dass unterschiedliche Papageienarten unterschiedliche Charaktereigenschaften haben, so sind Mohrenkopfpapageien im allgemeinen sicherlich nicht ganz so sensibel wie Graupapageien. Dennoch sollte man nicht allzu sehr verallgemeinern, denn wie gesagt ist jeder Vogel anders. Mit einem Mohrenkopfpapageien hat man ein echtes Gegenüber, was man mit seinen Stärken und Schwächen zunächst kennenlernen muss. Mit dem man ein Zusammenleben einüben muss. Welches man einfach liebhaben muss, trotz Dickschädel und gelegentlichen Streichen.

„Fledermaus-Stellung“ 🙂

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