Haltung

Für eine erfolgreiche und problemlose Haltung der Mohrenkopfpapageien sind drei Dinge besonders relevant:

  1. Gesellschaft durch ein artgleiches, gegengeschlechtliches, blutfremdes Partnertier
  2. Viel Platz
  3. Ausreichend Beschäftigung

zu 1.: Die Vergesellschaftung gelingt bei noch jungen Mohrenkopfpapageien (also vor der Geschlechtsreife) aus Naturbrut am leichtesten. Die Vögel bleiben normalerweise dann auch ein Leben lang zusammen. Problematischer ist die Vergesellschaftung älterer Tiere, wenn z.B. ein Partnertier verstorben ist. Hier ist Geduld angesagt und womöglich auch mehrere Versuche. Der Aufwand lohnt, denn einen Mohrenkopf alleine leben zu lassen, ist erstens nicht artgerecht und tierschutzwidrig und führt meistens auch zu Schwierigkeiten in der Haltung (z.B. Federrupfen, Schreien).

Mohrenkopfpapageien beim Partnerfüttern

Foto: Mohrenkopfpapageien beim Partnerfüttern

 Als besonders problematisch sind in diesem Zusammenhang Handaufzuchten zu nennen, die auf den Menschen fehlgeprägt sind und sich daher schwer mit Artgenossen vergesellschaften lassen. Das Zusammenleben nur mit dem Menschen führt aber spätestens dann, wenn das Tier geschlechtsreif wird, zu Frustrationserlebnissen beim Vogel. Wahrscheinlich merkt er, dass diese Partnerschaft für ihn nicht wirklich erfüllend ist. Auch diese Tiere entwickeln oft psychische Störungen. Oft ist es auch schwierig, solche Vögel auch nur zeitweise alleine zu lassen.

Wenn es sich irgendwie machen lässt, sollten Sie daher zwei junge blutsfremde, gegengeschlechtliche, artgleiche Papageien aus Naturbrut bei sich aufnehmen, oder alternativ zwei Tiere, die bereits erfolgreich verpaart sind. Da Mohrenkopfpapageien im deutschsprachigen Raum nicht so selten sind, dürfte das in der heutigen Zeit keine Probleme machen. So wird der Grundstein für eine Haltung gelegt, die allen Beteiligten Freude macht.

Das Geschlecht der Tiere lässt sich in der heutigen Zeit ganz einfach mittels DNA-Analyse feststellen. Dazu muss dem Tier nur eine Feder ausgezupft werden, die dann in ein Labor eingeschickt werden kann (Adressen finden sich im Internet, Suchmaschinen benutzen!). Dieses Verfahren ist sicher und kostet nicht viel.

Von einer Schwarmhaltung oder einer Haltung zusammen mit anderen Vögeln in einer Gemeinschaftsvoliere ist bei Mohrenkopfpapageien abzuraten. Mohrenkopfpapageienpaare brauchen wirklich Platz; um zwei erwachsene Paare gemeinsam halten zu können, wäre eine riesige Flugvoliere erforderlich. Es kommt nicht von ungefähr, dass selbst in Vogelparks meist nur ein Paar Mohrenköpfe in der Voliere sitzt. Wer also gerne einen ganzen Vogelschwarm bei sich aufnehmen möchte, sollte sich besser nach einer anderen Art umschauen. Mohrenkopfpapageien hält man wirklich am besten paarweise oder muss sie eben in getrennten Volieren unterbringen. Ein gemeinsamer Freiflug unter Aufsicht (!) sollte möglich sein. Ich halte es jedoch für sinnvoller, lieber einem Paar richtig viel Platz zur Verfügung zu stellen, statt zwei Paare in einer abgeteilten Voliere zu halten. Mohrenkopfpapageien blühen nämlich richtig auf, wenn sie viel Platz haben. Man tut ihnen einen größeren Gefallen damit als mit einem weiteren Paar in Sicht- oder Hörweite.

zu 2.) Die Platzfrage wird weiterhin auf der Seite „Unterbringung“ besprochen.

zu 3.) Auch zum Thema „Beschäftigung“ gibt es eine eigene Seite.

 Schlaf

Was bei der Haltung von Mohrenkopfpapageien nicht unterschätzt werden sollte, ist das Schlafbedürfnis der Tiere. Mohrenkopfpapageien leben ursprünglich in der Äquatorregion, wo Tag und Nacht das ganze Jahr über in etwa gleich lang sind. Sie haben deshalb auch als Haustiere ein Bedürfnis nach ca. 12 Stunden Schlaf. Diesem sollte so weit wie möglich entsprochen werden, indem im Sommer der Raum, in dem die Vögel untergebracht sind, frühzeitig verdunkelt wird und indem im Winter durch künstliches Licht (Vogellampe/birdlamp)eine entsprechende Taglänge simuliert wird. Dies wirkt sich positiv auf die Lebensqualität und die Gesundheit der Tiere aus. Ich habe es selbst erlebt, als meine Tiere nach einer Umstellung des Tag-Nacht-Rhythmus ein schöneres, gesünderes Gefieder bekommen haben und auch allgemein ausgeglichener sind. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass es so viel ausmacht!

Bei einer Haltung im Wohnzimmer sollte man daher gucken, dass man eine vogelgerechte Lösung findet, indem man z.B. die Voliere in einer ruhigen Ecke stehen hat, die man ab einer bestimmten Uhrzeit (vielleicht mit einem Raumteiler) abschotten kann, indem man die Voliere abdeckt, zumindest die Lampen von den Vögeln wegdreht, o.ä. Eine andere Möglichkeit ist, die Vögel abends lange „auf“ sein lassen, und sie dafür morgens lange schlafen lassen, indem das Wohnzimmer bis zum späten Vormittag verdunkelt bleibt.

Sinnvolles Zubehör

Transportkäfig:

Um die Tiere z.B. zum Tierarzt befördern zu können, ist ein kleiner Transportkäfig praktisch. Es gibt solche in verschiedenen Ausführungen. Gut geeignet sind auch Katzentransportboxen, die dazu den Vorteil haben, dass sie nur nach vorne vergittert und ansonsten rundum geschlossen sind, was den Vogel beim Transport vor Umweltreizen absondert. Für den Transport kann man einfach ein kleines Handtuch in die Box legen, so dass der Vogel darin Halt findet. Manche Halter bringen auch eine Sitzstange relativ weit unten in der Box an.

Foto: Solche Katzentransportboxen sind auch für den Transport von Papageien geeignet

Bei mir steht ein Transportkäfig ständig in der Voliere, so dass die Tiere, die vor Neuem zunächst Angst haben, im Ernstfall keine Panik davor haben.

Foto: Die Mohrenkopfpapageien beäugen den Transportkäfig neugierig

Für Mohrenkopfpapageien von der Größe her ausreichend, sind auch diese kleinen Transportkäfige:

Sie haben sogar den Vorteil, dass die Mohren darin nicht viel Bewegungsfreiheit haben, weshalb die Unfallgefahr nicht so groß ist wie in einem geräumigeren Transportkäfig, wo sie auch leichter hin- und hergeworfen werden können. Die Stange darin ist allerdings sehr schmal und glatt, sollte ich einen Mohrenkopfpapagei in dem Käfig transportieren, würde ich sie entfernen und einfach ein kleines Tuch auf den Boden der Box legen, um eine Rutschgefahr auszuschließen.

Baden und Duschen:

Für Mohrenkopfpapageien, die gerne baden, bietet es sich an, eine flache Schale bereitzuhalten. Gut zu reinigen ist z.B. eine Auflaufform aus Glas oder Porzellan. Diese Schale kann stundenweise mit lauwarmem Wasser gefüllt angeboten werden:

Badeschale

Papageien, die nicht baden, sollten daran gewöhnt werden, regelmäßig mit einem Wasserzerstäuber abgeduscht zu werden. Wasserzerstäuber gibt es als Blumenspritze relativ günstig zu kaufen, sie haben jedoch den Nachteil, dass sie, durch den schmalen Hals des Wasserbehälters, relativ schlecht sauber zu halten sind. Aus diesem Grund setze ich das Oberteil des Zerstäubers auf ein anderes Gefäß, welches sich gut auswaschen lässt:

 

Fotos: Vogeldusche, individuelle Lösung

Ich setzte dem lauwarmen Duschwasser hin und wieder etwas Obstessig (Apfelessig) zu, und zwar ein Teelöffel Essig auf 300 ml Wasser. Dies ist gut fürs Gefieder, und wenn die Vögel den Essig beim Putzen der Federn aufnehmen, haben sie auch innerlich noch was davon, denn der Essig enthält Mineralstoffe, Vitamine und wirkt fungizid.

Luftfeuchtigkeit:

Um zu kontrollieren, ob die Luftfeuchtigkeit für die Vögel ausreichend ist (mindestens 60 %, besser 65 – 70 %), ist ein Hygrometer erforderlich. Digitale Hygrometer sind im Baumarkt für wenig Geld zu haben, meist in Kombination mit einem Thermometer.

Foto: Preisgünstiger Hygrometer aus dem Baumarkt

Falls die Luftfeuchtigkeit zu niedrig ist, was häufig im Winter der Fall ist (trockene Heizungsluft), ist ein Luftbefeuchter sinnvoll und erforderlich. Ich bin sehr zufrieden mit einem Gerät der Marke Venta. Es ist ein Kaltluftbefeuchter, die Luft wird über eine Rolle umgewälzt und dabei gereinigt. Rückstände finden sich im Wasser, das heißt, es ist kein zusätzlicher Filter erforderlich. Das Wasser fungiert quasi als Filter.

Foto: Den Luftbefeuchter so aufstellen, dass die Vögel nicht ans Kabel gelangen!

An diesen Kaltverneblern wird oftmals die Kritik geäußert, dass mit dem Wasser Keime in die Luft geschleudert werden. Dies kann man ausschließen, indem man dem Wasser ein Hygienemittel zusetzt. Ich benutze ein chlorfreies Produkt auf Silberionenbasis, wie man es im Campingbedarf bekommt (z.B. Micropur). So behandeltes Wasser kann bedenkenlos getrunken werden, die Verneblung ist unschädlich für Mensch und Tier. Keime oder Bakterien können sich darin nicht ansiedeln. Von Zeit zu Zeit gebe ich dem zu vernebelnden Wasser das in der Aspergillosebehandlung eingesetzte Desinfektionsmittel F10 zu (Verdünnung 1/500). Ätherische Öle, wie sie in der Asthmabehandlung manchmal empfohlen werden, dürfen dem Wasser jedoch auf keinen Fall zugesetzt werden, dies ist für die Vögel schädlich!

Es gibt die Venta-Geräte in verschiedenen Größen, die erforderliche Größe richtet sich nach der Quadratmeterzahl des zu „versorgenden“ Raums. Ich empfehle, lieber etwas großzügig zu kaufen, dies hat den Vorteil, dass man das Gerät nachher auf einer niedrigen Stufe laufen lassen kann, was wesentlich leiser ist, als wenn es auf der höchsten Stufe läuft. Ich verwende für ca. 20 qm (7 m x 3 m Grundfläche, aber Dachschräge) einen Venta LW 44 (Foto ganz unten) und bin sehr zufrieden.

Hier mal ein Blick ins Innenleben eines solchen Geräts (Venta LW 14):

Man sieht im Vordergrund den Wasserbehälter mit der Walze. Im Hintergrund das Oberteil des Geräts mit dem Gebläse, welches auf das Unterteil aufgesetzt wird. Das Unterteil, also Wasserbehälter mit Walze, kann man in der Spülmaschine reinigen. Die Walze ist in den Behälter nur eingelegt, so dass sie sich im Wasser nachher frei drehen kann, und kann also zum Reinigen heraus genommen werden.

Zusätzlich zu der optimalen Luftfeuchtigkeit, die man mithilfe des Gerätes schaffen kann,  filtert es auch Staubpartikel und anderen Schmutz aus der Luft, was ich als sehr angenehm empfinde. Schon deswegen sollte ein solches Gerät in keinem Papageienhaushalt (gilt wahrscheinlich auch für viele andere Vogelarten!) fehlen!

Alternativ dazu können zur Herstellung der erforderlichen Luftfeuchtigkeit auch Heißvernebler eingesetzt werden, bei diesen Geräten wird Wasserdampf durch Kochen des Wassers erzeugt. Ein Vorteil ist, dass die Zugabe eines Hygienemittels entfallen kann, da sich im heißen Wasserdampf keine Keime oder Bakterien halten können.

Es versteht sich von selber, dass die Geräte so aufgestellt werden müssen, dass die Vögel keinen Schaden nehmen können.

Foto: Mein Venta LW 44

Zudem sollte man sie nicht gerade unter einer Sitzstange aufstellen, so dass sie von den Vögeln nicht verkotet werden können.

Zeitschaltuhr

Um das Vogellicht (birdlamp) morgens ein- und abends wieder auszuschalten oder auch um den Luftbefeuchter zu bestimmten Zeiten laufen zu lassen, ist eine Zeitschaltuhr nützlich. Es gibt im Baumarkt relativ günstig unkomplizierte Zeitschaltuhren zu kaufen. Digitale Zeitschaltuhren kosten ein paar Euro mehr, haben den Vorteil, dass man verschiedene Zeiten programmieren kann (z.B. andere Zeiten fürs Wochenende o.ä.). Ich nutze zum Ein- und Ausschalten meiner birdlamp eine ganz einfache Zeitschaltuhr, die weniger als 5 Euro gekostet hat und gute Dienste tut. Ich finde es sinnvoll, dass die Vögel, auch wenn ich mal unterwegs bin, zu ihren gewohnten Zeiten dunkel bzw. hell bekommen. Besonders das geregelte Dunkelwerden am Abend ist wichtig, s. oben unter Schlaf.

Foto: unkomplizierte Zeitschaltuhr aus dem Baumarkt

2 Gedanken zu „Haltung

  1. Hans-Reiner Hankel

    Sehr gut und treffender Bericht über die Mohris .Ich experementiere jetzt schon 20 Jahre mit der Haltung und Zucht dieser schwierig zu haltenden Papageien wenn man vor hat sie zu züchten .Falls zwei gemeinsam gehaltene Vögel nicht harmonisieren gibt es blutige Kämpfe die bis zum Tod führen können .Am meisten habe ich Zuchterfolg mit Wildfängen wie erwähnt sind Zuchtergebnisse unter Handaufzuchten und Naturbruten ziemlich kompliziert.Jetzt da ich als Frührentner mehr Zeit für Beobachtung, Fütterung e.t.c. habe versuche ich mich mehr mit ihrem Wesen zu beschäftigen . So konnte ich auch bemerken das ein Brutpaar nach aufopferungsvoller Fütterung ihrer vier Jungen plötlich der Hahn nicht mehr am Brutgeschäft teilnam und auch die Henne ihre Jungen vernachläsigte so das ich gezwungen war sie per Hand aufzuziehen.

    Antworten
  2. Florian

    Ein wirklich toller Bericht! Ich habe schon lange mit diesen drolligen, kleinen Piepmätzen geliebäugelt. Hier habe ich wirklich noch zusätzliches Wissen mitnehmen können!
    Vielen Dank dafür 🙂

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.