Anschaffung

Obwohl der Mohrenkopfpapagei nach dem Graupapagei der in Deutschland am zweithäufigsten gehaltene afrikanische Papagei ist, ist die Anschaffung nicht immer einfach, besonders wenn man berücksichtigen möchte, zwei artgleiche gegengeschlechtliche blutsfremde Vögel zu halten, die zudem noch in ähnlichem Alter sein sollten, zumindest jedoch entweder beide geschlechtsreif oder beides noch Jungtiere. Es gibt zwar inzwischen nicht wenige Züchter dieser kleinen Papageien, aber nicht immer hat man das Glück, dass tatsächlich ein blutsfremdes Pärchen angeboten wird. Möglicherweise muss man sich das Pärchen selber zusammenstellen, indem man zwei Tiere bei unterschiedlichen Züchtern kauft. Bei Jungvögeln klappt das auch in den allermeisten Fällen ganz gut und die zwei raufen sich zusammen und werden später ein Paar.

Ein Paar Mohrenkopfpapageien

Foto: Zwei fremde Tiere können sich mit der Zeit zusammenraufen

Bei erwachsenen Tieren kann jedoch eine lange komplizierte Vergesellschaftung bevorstehen, die nicht in allen Fällen gut geht, da Mohren recht wählerisch sein können. Da man einmal gekaufte Tiere nicht unbedingt wieder zurückgeben kann, kann es hier problematisch werden. Zudem ist es natürlich auch für die Vögel nicht schön, wenn sie, vielleicht mehrmals, hin- und hergereicht werden und sich so immer wieder an neue Gegebenheiten anpassen sollen. Mehr zur Vergesellschaftung siehe unten.

Eine andere gute Möglichkeit bei der Anschaffung eines gegengeschlechtlichen Paares ist, die Anzeigenblätter bzw. Anzeigenseiten im Internet nach Abgabetieren zu durchforsten. Wenn man Glück hat, kann man so einem bereits eingespielten Paar ein neues Zuhause bieten. Wenn man bedenkt, dass Mohrenkopfpapageien bis zu 30 Jahre alt oder gar noch älter werden können, ist es nicht weiter tragisch, wenn die Tiere nicht mehr ganz jung sind. Der Vorteil bei Abgabetieren ist auch, das man vom Vorbesitzer (vorausgesetzt, dieser ist ehrlich) die Macken und Marotten der Tiere schon vor der Anschaffung erfahren kann. So weiß man im Voraus, worauf man sich einlässt.

In Zoogeschäften werden Mohrenkopfpapageien eher selten angeboten, auch Tierheimvögel findet man so gut wie nie.

Egal, woher man seine Papageien erwirbt, man sollte sich die Vögel und die Haltung, aus der sie kommen, genau anschauen. Sehen die Vögel gesund aus? Ist das Federkleid glatt und anliegend, die Kloake sauber? Sind die Augen klar, der Schnabel und die Füße ohne Schrunden? Ist der Käfig oder die Voliere sauber? Welches Futter sind die Vögel gewöhnt? Haben sie die Möglichkeit, zu fliegen?

Wichtig ist auch ein Eingangs-Check bei einem vogelkundigen Tierarzt, so dass man sicher sein kann, dass der neue Mitbewohner gesund ist. Es gibt nämlich leider viele gefährliche Krankheiten, die Papageien befallen können, und die nicht direkt sichtbar sind. Die Eingangsuntersuchung sollte einen Kropfabstrich, eine Kotuntersuchung und eine Federuntersuchung enthalten. So lassen sich Gefiederstörungen wie PBFD oder Polyoma, Psittacose und durch Viren oder Bakterien verursachte Krankheiten in vielen Fällen rechtzeitig entdecken.

Oftmals hört man die Empfehlung, zunächst ein Einzeltier anzuschaffen und erst nach einer Weile, wenn sich dies eingewöhnt hat und entsprechend zutraulich ist, das Partnertier dazuzuholen. Das ist manchmal gar nicht zu umgehen, wenn man das zweite artgleiche gegengeschlechtliche Tier nicht gleich findet. Notwendig ist es aber nicht. Wenn die Möglichkeit besteht, gleich zwei Tiere anzuschaffen, würde ich dies auf jeden Fall tun. Schon, da die Vergesellschaftung nicht einfacher wird, je älter die Vögel sind! Und sich eingewöhnen, zahm und zutraulich werden, können sie sich auch zu zweit.

Handaufzuchten?

Viele Leute kaufen sich Handaufzuchten, um sich die zeitintensive „Arbeit“ des Zähmens der Tiere zu sparen. Ich jedoch lehne die Handaufzucht von Papageienvögeln ohne zwingenden Grund total ab. Handaufgezogene Mohrenkopfpapageien sind nicht eigentlich zahm, sie sind auf den Menschen fehlgeprägt. Dies führt zwar dazu, dass die Tiere keinerlei Scheu vor dem Menschen haben, aber auch, dass sie den Menschen als „Ehepartner“ betrachten. Dies führt spätestens mit der Geschlechtsreife zu Problemen. Die Tiere sind frustriert, da sie merken, dass der ausgewählte Partner doch nicht so wirklich passt. Außerdem ist es schwierig, solche Vögel auch nur für kurze Zeit alleine zu lassen. Meist wollen die Vögel nicht auf den geliebten Menschen verzichten und entwickeln Verhaltensstörungen, wenn sie doch mal alleine gelassen werden müssen. Auch kann sein, dass sie „ihren“ Menschen eifersüchtig und aggressiv verteidigen. Zudem kann passieren, dass sie sich einem bestimmten Menschen so eng anschließen, dass eine Abgabe des Tieres, z.B. vom Züchter zum Käufer, mit großen Schwierigkeiten verbunden ist. Auch hier sind Verhaltensstörungen vorprogrammiert. Ein weiteres Problem ist, dass die Tiere keinerlei Respekt vor der menschlichen Hand haben und daher, man sollte es nicht glauben, eher zum Beißen neigen als Tiere aus Naturbrut, die eine natürliche Scheu vorm Menschen haben. Last but not least gibt es bei der Vergesellschaftung mit Partnertieren oft Probleme, da die Vögel ja auf Menschen geprägt sind. Also alles nicht so einfach!

Das Interesse an Handaufzuchten ist deshalb so groß, da in der Vergangenheit oft zu lesen war, dass Mohrenkopfpapageien aus Naturbrut nicht zahm werden. Dies stimmt so aber nicht. Tatsächlich werden Wildfänge, also Tiere, die in Afrika gefangen und nach Deutschland verbracht wurden, schwer zahm. Auch Tiere, die während ihrer Jugendzeit kaum Kontakt zum Menschen hatten, da sie z.B. in großen Außenvolieren leben, tun sich schwer, später dann noch zutraulich zu werden (wobei man mit Clickertraining viel schaffen kann!). Wenn man jedoch relativ junge Mohrenkopfpapageien aus Naturbrut erwirbt, kann man die Tiere gut an sich gewöhnen und zahm bekommen. Am besten gleich zwei Tiere auf einmal. Es gibt auch Züchter, die sich darum kümmern, ihre Naturbruten von Anfang an an den Menschen zu gewöhnen, die sich also nach dem Ausfliegen intensiv mit den Jungtieren beschäftigen, so dass diese bereits zutraulich abgegeben werden. Mit solchen Tieren geht man vielen Haltungsproblemen von vorneherein aus dem Weg.

Abgesehen von der Aufzuchtmethode sind aber auch die weiteren Lebensmonate, eingeschlossen die Pubertät, für den Vogel prägend. In diesen Monaten findet weiterhin die Sozialisation der Tiere statt, da ist es ganz wichtig, dass die Tiere nicht isoliert von Artgenossen leben, damit sie sich das artspezifische Verhalten aneignen können. Aus diesem Grund ist es wichtig, bei Anschaffung eines jungen Einzeltiers möglichst rasch ein gegengeschlechtliches Partnertier dazu zu suchen und anzuschaffen. Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass Papageien, die in dieser sensiblen Phase bis zum Alter von ca. zwei Jahren ohne Kontakt zu Artgenossen gehalten wurden, eher zum Federrupfen neigen.

Vergesellschaftung

Hat man einen einzelnen Mohrenkopfpapagei und möchte dem ein Partnertier zugesellen, gibt es einiges zu beachten, da erwachsene Mohrenkopfpapageien bei der Partnerwahl recht problematisch sein können. Wer den vorigen Abschnitt aufmerksam gelesen hat, wird sich schon denken können, dass es auf jeden Fall empfehlenswert ist, ein Tier aus Naturbrut dazuzunehmen, egal ob das eigene Tier ein elternaufgezogenes oder ein handaufgezogenes ist. Zumindest der Neuankömmling wird dann „tierische“ Gesellschaft kennen und vorziehen. Auch funktionieren kann es mit einem Tier, welches lange Jahre mit einem Partner zusammengelebt hat und diesen verloren hat. Aber egal welche Vorgeschichte, ganz entscheidend ist auf jeden Fall, dass man beim Kennenlernen ganz behutsam vorgehen muss. Auf keinen Fall die beiden Vögel einfach zusammensetzen! Dies kann im schlimmsten Fall mit Mord und Totschlag enden! Unabdinglich ist am Anfang eine zweite Unterbringungsmöglichkeit. Gut ist, wenn die beiden Vögel zunächst nur in Hörweite untergebracht sind, also sich nicht einmal sehen können. Wenn stimmlich die erste Kontaktaufnahme erfolgt ist, kann man nach einigen Tagen den Sichtkontakt herstellen. Hier kann dann mit der Zeit ein Näherrücken der getrennten Käfige/Volieren erfolgen. Die erste tatsächliche Kontaktaufnahme sollte im Freiflug oder auf neutralem Terrain erfolgen. Auf keinen Fall soll ein Vogel in die Voliere des anderen eingesetzt werden. Sonst kann durch das angeborene territoriale Verhalten eine Abwehrreaktion erfolgen. Wenn sich die Vögel auf neutralem Terrain näher gekommen sind, kann man abwarten, ob bzw. bis sie zusammen in eine Voliere „einziehen“. Gut ist auch, eine neue Voliere bereitzustellen oder zumindest die alte Voliere, die für die Doppelbelegung vorgesehen ist, innen umzugestalten, so dass keines der Tiere einen „Heimvorteil“ hat.

Eine Vergesellschaftung von Mohrenkopfpapageien ist somit nicht unbedingt eine Sache, die in ein paar Tagen abgeschlossen ist, sondern kann sich unter Umständen über Wochen hinziehen. Dennoch sollte man als verantwortungsvoller Halter die dafür notwendige Geduld aufbringen,um den Vögeln nachher ein Leben in Gemeinschaft mit einem Artgenossen ermöglichen zu können!

Namensgebung

Nun noch ein ganz anderes, weniger ernstes Thema: Im Zusammenhang mit der Anschaffung steht meistens auch die Suche nach einem passenden Namen. Wer seinem afrikanischen Papagei einen afrikanischen Namen mit Bedeutung aussuchen möchte, kann ja mal auf dieser Seite suchen: Afrikanische Namen und deren Bedeutung. Um die Bedeutung des Namens zu erfahren, einfach auf den jeweiligen Namen draufklicken!

Versand von Papageien?

Immer öfter hört man davon, dass Vögel per Tierspedition versandt werden. Gerade bei selteneren Papageien, die nicht gerade an jeder Straßenecke zu finden sind, scheint dies im Internetzeitalter eine sinnvolle Möglichkeit zu sein, zu einem passenden Pärchen oder Partnertier zu kommen. Aber ist ein Tierversand von Papageien überhaupt tierschutzgerecht?

Dazu ist zu sagen, dass nicht jeder einfach hergehen kann und gewerbsmäßig Vögel befördern. Auch per Post dürfen Tiere nach geltendem Recht nicht verschickt werden. Um gewerbsmäßig Tiere zu befördern, ist eine Zulassung nach EU-Recht erforderlich. Um diese Zulassung zu erhalten, muss der Transporteur nachweisen, dass er zuverlässig ist, dass er die nötige Sachkunde im Umgang mit den Tieren hat und dass die Art und Weise des Transports tierschutzgerecht abläuft.Zudem müssen die Tiere in einem geeigneten Behältnis untergebracht sein und müssen für die Dauer des Transports ausreichend mit Nahrung versorgt sein. Hier empfiehlt sich etwas Körnerfutter und zum Decken des Flüssigkeisbedarfs z.B. ein Stück Gurke.

Tierversand

Foto: Wellensittiche in einer Transportbox zum Tierversand

Bedacht werden sollte dabei, dass der Transport bei einer Spedition immer ein über den anderen Tag erfolgt, was heißt, dass die Tiere über Nacht unterwegs sind. Selbst wenn man per Aufpreis eine Abholung am Nachmittag und Auslieferung am Vormittag organisiert, ist das unter Umständen eine wesentlich längere Zeit, als wenn man die Vögel selber per Auto transportiert.

Ein weiterer Punkt, der gegen den Kauf per Spedition spricht, ist, dass man keine Möglichkeit hat, die Tiere und die Haltungsbedingungen vor dem Kauf vor Ort zu besichtigen. Man kauft sozusagen die „Katze im Sack“. Da gehört schon einiges an Vertrauen dazu.

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