Papageienhaltung in Wohnräumen

Viele tun es. Viele geben es wieder auf und suchen nach anderen Lösungen.

Mir graut es ehrlich gesagt ein bisschen, wenn ich immer wieder von Leuten höre mit vier Graupapageien in einer kleinen Zweizimmerwohnung oder zehn Nymphensittichen im Wohnzimmer. Hier geht es mir nicht einmal so sehr um eine artgerechte Haltung, sondern auch um die Lebensqualität der Menschen, die unter Umständen erheblich eingeschränkt sein kann. Was den Betroffenen oftmals gar nicht bewusst ist, da sie sich an die Situation gewöhnt haben. Allerdings ist natürlich auch die Schwelle dessen, was jemand an Staub, Dreck und Lärm zu tolerieren bereit ist, völlig unterschiedlich. Sowie auch die Zeit, hier dagegenzuarbeiten.

Papageien Wohnzimmer3Foto: Papageienhaltung in Wohnräumen kann problematisch sein

Andererseits stellt sich die Frage, ob Papageienhaltung nur denjenigen vorbehalten bleiben soll, die ein großes Gartengrundstück haben und das nötige Kleingeld, dort eine große Volierenanlage mit geheiztem Schutzhaus zu erstellen. Und die tolerante Nachbarn haben, die schreiende Papageien klaglos hinnehmen.

Wenn man es aus der Sicht der Tiere betrachtet, ist klar: Genau diese Haltung, die riesige Außenvoliere mit geräumigem Schutzhaus, ist die artgerechteste für die Papageien. Frische Luft, Sonne, viel Platz zum Fliegen, arteigene Gesellschaft – genau das brauchen sie! In der Wohnung gehaltene Papageien werden oft krank, da sie mit der niedrigen Luftfeuchtigkeit und den allgegenwärtigen Schimmelpilzen nicht zurecht kommen (Aspergillose).

Es gibt jedoch auch Beispiele, wo ich ein uneingeschränktes „Ja“ auch zur Wohnungshaltung geben kann. Manche Papageienhalter haben sich Gedanken gemacht und ein kleines Paradies für die Tiere auch innerhalb ihrer vier Wände geschaffen. Dazu gehört allerdings, wie oben schon erwähnt, viel Platz zum Fliegen, arteigene Gesellschaft und die Möglichkeit, frische Luft und Sonnenlicht zu genießen. Und natürlich Beschäftigungsmöglichkeiten (z. B. Zweige zum Benagen) und eine artgerechte Ernährung.

Voli mit EbereschenFoto: Große Voliere mit Beschäftigungsmöglichkeiten im Wohnhaus

Nicht unterschätzen sollte man allerdings die Zerstörungswut von Papageien. Oder nennen wir es mal neutral Nagetrieb. Übers Jahr kann man diesen meist mit frischen Ästen gut befriedigen, spätestens wenn die Tiere brutlustig werden, geht es dann allerdings oft ans Eingemachte. Das sollten vor allem Menschen bedenken, die in Miete wohnen. Hier kann eine Vollmetallvoliere sinnvoll sein. Diese sollte aus Edelstahl sein, damit die Tiere keine Zinkvergiftung bekommen und sind in der erforderlichen Größe kein Schnäppchen und auch kein dekorativer Einrichtungsgegenstand mehr. Und: Auch beim erforderlichen Freiflug ist schnell mal was kaputt gemacht!

Es gilt also viel zu bedenken, bevor man sich gefiederte Freunde ins Haus holt.

Welche Papageien sind nun aber für eine Wohnungshaltung am meisten zu empfehlen?

Hier sind die australischen Sittiche zu nennen, da diese aufgrund ihrer Herkunft aus trockenen Lebensräumen mit der niedrigen Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen meist gut zurechtkommen. Auch hier gibt es Unterschiede in der Größe und bezüglich der Bedürfnisse, weshalb man sich vor der Anschaffung gut informieren sollte. Einen ersten Eindruck erhalten wir z. b. hier.

bourk7Foto: Australische Sittiche (hier: Bourkesittiche) können tolle Haustiere sein

Wer jetzt die Nase rümpft und denkt: „Ach, Sittiche! Ich möchte doch keine Sittiche, sondern Papageien!“, dem sei gesagt: Auch Sittiche sind Papageien!

Auch unter den so genannten Papageien gibt es natürlich Unterschiede, was eine Geeignetheit für die Wohnungshaltung anbelangt.

Ich habe im letzten Beitrag über Sperlingspapageien berichtet. Diese kleinen Papageienvögel sind unheimlich charmant, intelligent und neugierig. Sie sind dabei recht leise und weniger nagefreudig als viele ihrer größeren Verwandten. Diese Tiere kann ich uneingeschränkt für eine Wohnungshaltung empfehlen, vorausgesetzt natürlich auch hier, dass sich der Halter informiert, Gedanken macht und eine artgerechte Haltung anbietet.

1502043Foto: Sperlingspapageien lassen sich in der Wohnung gut beschäftigen

Kaum für eine Wohnungshaltung zu empfehlen sind hingegen Kakadus (außer Nymphensittichen und Rosakakadus, wenn man bereit ist, mit der nicht unerheblichen Staubbelastung zu leben), da die Haltung sehr anspruchsvoll ist und die Tiere sehr laut und sehr zerstörerisch sind, sowie große Aras, schon allein wegen deren Platzbedürfnis.

Bei allen anderen Arten, man kann es nicht oft genug sagen, kommt es darauf an, ob man den Bedürfnissen der Tiere gerecht werden kann und bereit ist, seine Wohnung entsprechend umzugestalten und sein Leben entsprechend umzustellen.

Ich rate, im Zweifelsfall lieber eine „Nummer kleiner“ einzusteigen, denn schon mancher hat sich gewundert, wie anspruchsvoll sogar die Haltung von Wellensittichen ist, wenn man es richtig machen möchte! Und wie viel Spaß man aber auch mit diesen kleinen Papageienvögeln haben kann!

IMG_2107Foto: Die Haltung von Wellensittichen kann viel Spaß machen!

2 Gedanken zu „Papageienhaltung in Wohnräumen

  1. Richter Grit

    ich habe einen Rotbauchpapagei 11/2 Jahre und möchte mir noch ein Männchen dazuhocken. Wohne im Neubau. Diese Papageien sind auch leise . Was gibt es da aber noch wichtiges zu beachten?

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  2. papageien-blog Artikelautor

    Hallo Grit, schön, dass du deinem Rotbauchpapagei einen Partner dazuholen möchtest! Wichtig ist, dass es nachher wirklich ein gegengeschlechtliches Paar ist. Ist sicher, dass euer Rotbauchpapagei weiblich ist? Habt ihr einen DNA-Test, oder hat sie schon Eier gelegt? Wenn ja, guckt, dass ihr wirklich ein Männchen dazuholt (DNA-Test). Die Tiere sollten dann ganz langsam aneinander gewöhnt werden. Klicke bei den Schlagworten rechts mal auf „Eingewöhnung“, da findest du Informationen zu diesem Thema! Ich wünsche euch viel Erfolg bei der Vergesellschaftung!

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