Hilfe, mein Mohrenkopfpapagei beißt!

Ab und zu erreicht mich ein solcher Hilferuf. Meiner Erfahrung nach neigen Mohrenkopfpapageien aus Naturbrut nicht besonders zur Aggressivität gegenüber Menschen (außer vielleicht in der Brutzeit). Dies mag damit zusammenhängen, dass sie relativ schreckhaft und dabei in allererster Linie Fluchttiere sind. Wenn sie sich bedroht fühlen, hauen sie normalerweise ab. Andere Papageienarten, z. B. Amazonen, sind nicht so schnell mit dem Wegfliegen dabei. Sie sind dann aber auch wesentlich wehrhafter.

beißen

Was tun, wenn nun der eigene Papagei sich nicht an die obige Charakterisierung hält und dennoch gerne zubeißt? Oder wenn es sich um Handaufzuchten handelt, die oft weniger Respekt vor der menschlichen Hand haben als Papageien aus Naturbrut. Der oben beschriebene „Fluchtfaktor“ fällt dann meist weg.

Es gibt einige Regeln zu beachten, um das Beißen einzudämmen:

Möglichst verhindern, dass der Papagei überhaupt beißt! Wenn ein Verhalten nicht zur Gewohnheit werden soll, ist am besten, es wird gar nicht erst ausgeübt. Nach den ersten „Beißvorfällen“ wissen wir ja meist genau, in welchen Situationen es dazu kommt, welche Körpersprache der Vogel vorher zeigt, etc. Es gilt dann, solche Situationen einfach zu vermeiden oder vorher abzubrechen.

Beispiel: Der Vogel beißt in die Hand, wenn sie ihm zum Aufsteigen angeboten wird.

Abhilfe: Wir lassen den Vogel auf einen Stock aufsteigen. Oder, für fortgeschrittenere Halter: Wir belohnen schrittweise die langsame Annäherung der Hand.

Beispiel: Der Vogel beißt ins Ohr, wenn er auf der Schulter sitzt.

Abhilfe: Der Vogel darf sich nicht mehr auf der Schulter niederlassen.

Die zweite Regel ist: Ein (dennoch erfolgter) Biss wird nicht beachtet. Das ist natürlich um so schwieriger, um so schmerzhafter der Biss ist. Es ist aber trotzdem wichtig, möglichst emotionslos zu bleiben, wenn man von einem Papagei gebissen wird. Jedes laute „Aua“, schrille Schreien, Fingerschütteln, etc. kann vom Vogel als lustige Aktion aufgefasst werden, die er gerne mal wieder haben möchte.

Die dritte Regel (und wichtigste, wie ich finde): Körperliche Strafen sind tabu! Der Vogel wird nicht auf den Schnabel gehauen, zurückgezwickt, von der Stange geschmissen, o.ä. Tatsächlich kann es passieren, dass man durch einen Reflex die Hand schüttelt, auf der der Vogel sitzt, und er herunterfällt. Das ist dann eben so. Aber mit Wollen und Wissen einen Vogel körperlich bestrafen, ist hingegen völlig daneben und bringt nicht viel. Es führt höchstens zu einer Art  Machtkampf, zu Verunsicherung oder zu einer Abwendung des Tieres und Zerstörung des Vertrauens. Wer meint, mit einer Strafe auf den Biss reagieren zu müssen, soll bitte einfach das Ignorieren, sich Abwenden, als Strafe benutzen. Bei manchen Tieren, die sich gerne mit dem Halter beschäftigen, hilft das, wenn sie merken, der Spaß ist vorbei, sobald sie beißen.

Je nachdem, wie befriedigend ein Verhalten für einen Vogel ist, fällt es auch gar nicht leicht, ein solches durch eine Strafe abzugewöhnen. Erfolgversprechender ist zumeist, ein Alternativverhalten anzutrainieren, welches sich dann (durch Belohnungen) für den Vogel mehr „lohnt“ als das Beißen.

Was könnten solche Alternativverhalten sein?

Beim obigen Beispiel „Beißen ins Ohr“: Der Papagei auf der Schulter klettert am ausgestreckten Arm entlang und erhält dann vorne bei der Hand (oder nachdem er abgestiegen ist) ein Leckerchen.

Oder: Das Landen auf einer bestimmten Sitzstange (statt auf der Schulter) wird belohnt.

Ein beliebtes und nützliches Alternativverhalten ist auch, dem Papageien beizubringen, einem Zeigestock (Target-Stick) oder einem Finger zu folgen oder diesen mit dem Schnabel leicht anzutippen. Dies kann man z.B. mittels Clicker-Training schön einüben. Ein solches Training bildet zudem auch eine Basis für ein Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier.

Über die besonderen Fälle wie aggressives Verhalten während der Brutphase und aggressives Verhalten von auf Menschen geprägten Papageien werde ich in gesonderten Artikeln ein andermal berichten werde.

 

 

Ein Gedanke zu „Hilfe, mein Mohrenkopfpapagei beißt!

  1. rené

    Guten Tag, ich habe einen bissigen mohrenkopfpapagei der allerdings nur Hände attackiert und ich weiß nicht was ich noch tun soll. Er hackt ins Käfiggitter sobald man mit der Hand an den Käfig geht. Wenn er draußen ist benimmt er sich meistens, allerdings auch nicht immer. Er ist 6 Monate alt und wie beschrieben ein Hahn. Ich wäre sehr dankbar über einen Rat.

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