Warum Keimfutter?

Über Keimfutter für Papageien habe ich ja schon öfter, z. B. hier, etwas geschrieben. Was genau ist nun aber am Keimfutter so toll? So toll, dass es eigentlich auch in der menschlichen Ernährung viel mehr Verwendung finden sollte.

Um das zu erklären, möchte ich aus dem Buch „Körner und Keime“ von Rose-Marie Nöcker zitieren. Das Buch ist schon älteren Datums, aber Körner und Keime funktionieren immer noch gleich! Mir ist zumindest nicht bekannt, dass die damaligen Erkenntnisse widerlegt worden seien. Es sagt einem ja auch der gesunde Menschenverstand, dass ein Samenkorn, aus dem eine komplette Pflanze wächst, ein kleines Kraftwerk sein muss, und dass beim Keimvorgang Stoffwechselprozesse in Gang kommen, bei denen Inhaltsstoffe umgebaut werden.

Frau Nöcker schreibt (S. 117): „Es hat sehr lange gedauert, bis wir im Westen den Wert gekeimter Samen erkannten. Erst 1782 wurde der Vitamin-C-Gehalt in Sojabohnensprossen entdeckt. Von diesem Zeitpunkt an wurden Sprossen erfolgreich, vor allem gegen die oft tödliche Seefahrerkrankheit Skorbut, eingesetzt. Während des Ersten Weltkrieges gab man gekeimte Linsen wegen ihres Vitamin-C-Reichtums mit großem Erfolg in die Verpflegung der britischen Soldaten in Mesopotamien.

Der wirkliche Durchbruch kam aber erst, als der amerikanische Ernährungswissenschaftler Dr. Clive McKay mit seinen aufsehenerregenden Forschungsergebnissen über die Vitaminsteigerung von Sprossen hervortrat.

Der Vitamin-C-Gehalt von gesprossenem Hafer steigt in 72 Stunden um 600 % und der Vitamin-E-Gehalt um 33 %.

Beim Wachstum der Sprossen reichern sich ebenso Mineralien, wie Calcium, Magnesium, Eisen, Phosphor, Pottasche, Soda, Silicium und Spurenelemente zu wertvollen Verbindungen an. Dr. Francis Pottenger betont zum Beispiel das Vorhandensein der essentiellen Fettsäuren in Sprossen, die zusammen mit dem hochwertigen Protein eine ausgezeichnete Nachung sind. … Kleine Sprossenmengen haben einen hohen Nahrungswert in unserer täglichen Kost und sind außergewöhnlich arm an Kalorien.“

Genauer finden wir die Vorgänge, die während des Keimens stattfinden, auf S. 129 beschrieben: „Das gespeicherte Protein wird in seine Aminosäurenkomponenten zerlegt. Viele Vitamine entstehen neu, vor allem die wasserlöslichen B-Vitamine und das Vitamin C. Fette werden in fettlösliche Stoffe und Kohlehydrate in einfache Zuckerarten umgewandelt. Dabei wird Nahrungsenergie als Kalorie verbraucht. Mit der starken Zunahme der Stoffwechselaktivität im Keim steigt der Anteil der Vitamine und Mineralien; die Spurenelemente ketten sich in eine wertvollere Form. … Wenn wir Sprossen essen, gerade wenn ihre spitzen Blättchen herausgeteten sind, profitieren wir von der geballten Nahrungsenergie, die in dieser Anhäufung nie wieder im späteren Leben der Pflanze vorkommt. Warten wir nicht, bis die Blättchen voll entwickelt sind, denn dann ist die Nahrungsenergie aufgebraucht. Die Pflanze ernährt sich nun durch Wurzel und Blatt.“

Interessant ist dies z.B. auch in Bezug auf Sonnenblumenkerne. Laut dem obigen Buch (S. 182) „wandelt sich der Proteingehalt von 30 % in Aminosäuren mit allen essentiellen Anteilen. Fette wandeln sich in fettlösliche Stoffe. Der Prozentsatz der Vitamine B1, B2, B3, B12, E, F, K und Vitamin D, welches in Pflanzen selten zu finden ist, erhöht sich. Mangan, Kupfer und Phosphor wandeln sich in eine für den Organismus leichter aufnehmbare Form. Steigerung der Enzyme.“

SBK gekeimt

Dies ist vor allem interessant für Papageien, die zu Übergewicht neigen, wie z.B. Amazonen, die folglich nur wenige Sonnenblumenkerne erhalten dürfen, diese aber meist sehr mögen. Hier bietet sich an, gekeimte Sonnenblumenkerne als Leckerchen zu testen, da diese nicht mehr so fettreich sind, sondern mehr in die Kategorie „Salat“ gehören.

Generell sind Keime und Sprossen somit eine gesunde Bereicherung des Speisezettels der Papageien. Dabei sind jedoch zwei Dinge zu beachten:

Wenn Papageienvögel viel Keimfutter bekommen, geraten sie leicht in Brutstimmung. Dies kommt daher, dass in der Natur eine fruchtbare Zeit beginnt, in der viel Nahrung für die Jungenaufzucht zur Verfügung steht, wenn die Samen zu keimen beginnen. In den heißen Gegenden, in denen die meisten Papageien leben, löst ein Regen meist großes Wachstum in der Natur aus. Auch stellt Keimfutter, durch die Konzentration der enthaltenen Nährstoffe, natürlich auch ein wunderbares Aufzuchtfutter dar. Von der Konsistenz her ist es relativ weich und kann somit direkt verfüttert werden, ohne erst lange im Kropf aufgeweicht werden zu müssen. Also, wer nicht züchten will, langsam mit Keimfutter! Einmal in der Woche ist jedoch normalerweise kein Problem.

Zweitens ist darauf zu achten, dass das Keimfutter stets hygienisch zubereitet wird. Also mehrmals am Tag mit kaltem Wasser abspülen und vor allem vor dem Füttern gründlich abspülen! Manche Leute versetzen das Abspülwasser auch mit einem Hygienemittel, das finde ich jedoch übertrieben. Letztlich muss es aber jeder selber entscheiden, auch natürlich wenn die Keime für den menschlichen Verzehr vorgesehen sind.

 

 

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