Papageiengeschirr für Mohrenkopfpapageien?

Mit „Geschirr“ sind diesmal keine Teller und Tassen gemeint, falls das jemand angenommen haben sollte :D, sondern sogenannte „Fluggeschirre“, Harnesse, mit denen Papageien angebunden und „an die Leine gelegt“ werden können, so dass man sie im Freien fliegen lassen kann. Solche Papageienharnesse gibt es schon lange, sie waren aus Tierschutzsicht bislang nicht gerne gesehen. Nun gibt es seit einiger Zeit den „Aviator“, ein Fluggeschirr, was anders ist als die bisherigen, da die Bewegungsfähigkeit des Vogels erhalten bleiben soll und wohl keine schweren Teile wie Karabiner oder Metallverschlüsse dran sind. Das Geschirr besteht aus einem leichten Material und wird mit Schlaufen zusammengehalten.

Auf der Papageienmesse in Achern hatte ich zum ersten Mal Gelegenheit, solche Papageiengeschirre live am Vogel zu sehen, nämlich an zwei Schwarzohrpapageien (die aber viel damit beschäftigt waren, sich an dem Geschirr herumzuzupfen), sowie an zwei Aras (die das Geschirr offenbar sehr gut an sich akzeptiert haben).

Schwarzohrpapageien sind ein bisschen größer als Mohrenkopfpapageien. Aber auch kleinere Vögel wie Nymphensittiche kann man am Aviator fliegen lassen, dazu habe ich auf youtube ein Video entdeckt.

Die Idee, die dahintersteckt, finde ich vom Grundsatz her gar nicht schlecht. Den Papageien mehr Bewegung zu verschaffen. Sie mit rausnehmen zu können ins Sonnenlicht. Ihnen mehr Flugraum bieten. Fliegen ist ja für Papageien sehr gesund und wichtig. Sonnenlicht auch.

Dennoch werde ich mir für meine beiden Mohrenkopfpapageien keinen Aviator anschaffen. Warum nicht?

Nun, zum Einen müssen Papageien gut handzahm sein, um ihnen überhaupt einen Aviator anlegen zu können. Die Vögel müssen sich am Oberkopf und unter den Flügeln anfassen lassen. Das tun meine (noch) nicht. Sicherlich kann man so etwas ganz gut mit Clickertraining trainieren. Gebt mal bei youtube „Kili Senegal Parrot Harness“ ein, da kommen ein paar Filme dazu, wie ein Mohrenkopfpapagei an den Aviator gewöhnt wird.

Ich könnte es also mit meinen auch trainieren, frage mich aber, ob es den Aufwand wert ist. Es gibt für Aras wohl 80 m Flugleinen zum Aviator, womit man sie z.B. auf Sportplätzen fliegen lassen kann. Aras sind sehr groß, man kann ihnen in Wohnung und Außenvoliere keine richtige Flugmöglichkeit schaffen. Sie „packen“ auch das Gewicht einer etwas längeren, leichten Leine. Wenn ich mir aber das Video mit dem Nymphensittich so angucke, habe ich den Eindruck, dass man solch kleinere Vögel mit dem Aviator nicht unbedingt größere Strecken fliegen lassen sollte, alleine vom Gewicht der Leine her. Der Nymphensittich in dem Film kommt ja ganz offensichtlich über eine längere Strecke gar nicht richtig hoch. Und eine Flugstrecke von 20 Metern, die kann ich meinen Mohrenköpfen auch hier im Haus bieten, völlig stressfrei, wenn sie eine Runde in unserem 9 Meter langen Wohn- und Esszimmer drehen. Sie können im Übrigen auch mehrere Runden „am Stück“ drehen und somit die Strecke beliebig verlängern. Selbst in ihrem Vogelzimmer, wo sie ständig leben, steht ihnen eine Flugbahn von fast 7 Metern Länge zur Verfügung.

Ich sehe daher nicht so richtig den Sinn darin, gerade meine Mohrenkopfpapageien am Aviator zu trainieren. Ich stelle es mir nämlich auch nicht einfach vor, dies fachgerecht zu machen, und hätte auch Angst, dass sich die Tiere verletzen, z.B. durch ein Verheddern.

Bedenkenswert ist auch, dass gerade afrikanische Papageien doch recht schreckhaft sind. Ich sehe die Gefahr, dass sie im Freien durch ungewohnte Umweltreize dann vielleicht unvermittelt auffliegen und dadurch dann eben doch eher unsanft durch die Leine gestoppt werden. Vielleicht sind südamerikanische Papageien, die vom Temperament her oft etwas „cooler“ sind, hier besser geeignet.

Leine für PapageienFoto: Die passende Leine für den Aviator

Wobei die Möglichkeit des „Papageis an der Leine“ dann auch wieder die Gefahr birgt, dass sich Leute große Papageien anschaffen, auch wenn sie gar nicht den nötigen Platz dafür haben, mit der guten Absicht, die Tiere am Aviator zu bewegen. Und ob dann da nachher was draus wird, steht wieder auf einem anderen Blatt!

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