Die Eingewöhnung von neuen Papageien

Im Zusammenhang mit dem Einzug von zwei Amazonen vor kurzem hier bei mir möchte ich heute einen Artikel über die Eingewöhnung neuer Papageien schreiben. Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich die Situation habe, Vögel bei mir aufzunehmen, sei es dauerhaft oder auch zeitweise.

Erfahrungsgemäß ist die oberste Regel am Anfang, dass man die Tiere sich in Ruhe einleben lässt, egal, ob man einen Papagei zu einem vorhandenen dazuholt oder ob gleich zwei Papageien neu einziehen. Wichtig ist, dass sie erst mal die Umgebung, die Menschen, den Tagesablauf kennenlernen müssen. Die Stimmen, die Gesten beim Futter geben, usw.

rauskommen6Foto: Am Anfang lässt man die Papageien in Ruhe ankommen

Sinnvoll ist dabei, den üblichen Tagesablauf ganz normal beizubehalten, so dass die Vögel gleich lernen, wie es bei uns zugeht, um sich orientieren zu können. Wichtig ist aber auch, sie dabei nicht zu bedrängen, sondern ihnen die Möglichkeit zu geben, alles in Ruhe erst einmal anzugucken und anzuhören. Dabei kann man durchaus mit ruhiger Stimme immer wieder mit ihnen reden. Irgendwelche Annäherungsversuche unternimmt man die ersen Tage noch nicht, auch nicht bei zahmen Vögeln. Zahme Vögel unterscheiden ja trotzdem, welche Menschen sie vor sich haben und wissen sehr genau, dass es sich um jemand Fremdes handelt. Es ist daher gut, sie zunächst erkennen zu lassen, dass von uns keine Bedrohung ausgeht, sondern wir es gut mit ihnen meinen. Also nicht gleich zu schnell zu viel wollen!

Wenn sie dann von sich aus Annäherungsversuche unternehen, gut. Wenn nicht, warten wir, bis sie mit uns und der Umgebung ein bisschen vertraut geworden sind. Nicht zahme Vögel, oder Vögeln, die bisher wenig Menschenkontakt hatten, sollte man eine längere Eingewöhnungszeit gewähren. Ich gehe hier von mindestens vier bis sechs Wochen aus. Das ist keine „verlorene Zeit“, sondern die notwendige Grundlage, um ein Vertrauensverhältnis entstehen zu lassen. Sind die Vögel erst mal verschreckt und misstrauisch (was durch Transport etc. ohnehin passiert sein kann), dauert es nachher um so länger, dies wieder aufzuholen. Es ist auch keineswegs so, dass die Papageien wieder „verwildern“, wenn wir nicht gleich von Anfang an versuchen, ihnen möglichst nah zu kommen. Papageien vergessen nichts, wenn sie vorher zahm waren, werden sie dies auch nach einer Eingewöhnungszeit bei uns wieder sein.

Erste Annäherungsversuche (nach der genannten Eingewöhnungszeit) sehen auch keinesfalls so aus, dass wir von uns aus versuchen, die Papageien gleich anzufassen (durchs Volierengitter zu kraulen, o. ä.) oder ein Leckerchen aus der Hand anzubieten. Es sei denn, wir wissen vom Vorbesitzer, dass sie so weit schon zahm sind. Wenn nicht, legen wir das erste Leckerchen gut sichtbar an eine für den Vogel gut erreichbare Stelle, und er entscheidet selber, ob und wann er es sich dort holt. Dieses Spielchen wiederholen wir so lange, bis der Papagei das Leckerchen sofort nach der Ablage dort abholt und keine Scheu mehr zeigt. Dann können wir versuchen, es ihm, dort bei der bekannten Stelle, auch aus der Hand anzubieten. Vielleicht nicht sofort, aber über kurz oder lang, je nachdem wie mutig das Tier ist, wird es klappen. Bei zwei Vögeln ist meist einer der beiden der Mutigere, aber irgendwann wird der zweite folgen. Er möchte ja auch ein Leckerchen abbekommen! Wer möchte, kann dann in diesem Stadium direkt schon mit dem Clickertraining einsteigen.

s4Foto: Mit Leckerchen werden Papageien schnell zutraulich

Bei bereits zahmen Vögeln braucht man natürlich nicht ganz so langsam vorzugehen, da muss man einfach mal gucken, wie sie reagieren, was man ihnen wann zumuten kann. Interessant ist, dass auch zahme Vögel eine Zeit von ca. 10 bis 20 Tagen brauchen, um richtig aufzutauen. Nach etwa dieser Eingewöhnungszeit fangen sie an, „frech“ zu werden, alte Unarten, die sie beim Vorbesitzer hatten, wieder zu zeigen, etc. Wer also am Anfang meint, ganz tolle brave Papageien erworben zu haben, wird sich möglicherweise nach zwei Wochen wundern…

Amazone geht auf FingerFoto: Bereits zahme Vögel fassen schneller Vertrauen

Dennoch darf man nicht erwarten, dass sie sich nach diesen zwei Wochen bereits richtig eingewöhnt haben. Sie mögen dann zwar ein bisschen auftauen, aber richtig „daheim“ sind sie noch nicht, das dauert einfach Wochen, je nach Vogel mehr oder weniger.

Letztlich ist aber nicht nur wichtig, dass sich die Vögel an die neue Umgebung gewöhnen, sondern auch, dass der neue Halter die Tiere besser kennenlernt und lernt, mit ihnen umzugehen. Auch dies geschieht in erster Linie durch Beobachtung. Nur wer seine Vögel gut kennt, kann entsprechend richtig und angemessen auf sie reagieren!

8 Gedanken zu „Die Eingewöhnung von neuen Papageien

  1. Thomas Rhesa

    Ich verlor vor 4 Wochen meine Blaustirnamazone 13 Jahre alt durch plötzliches Herzversagen. Es war eine Handaufzucht und von Anfang an Superzahm. Nun habe ich mir vor 3 Wochen eine Blaustirnamazone Naturbrut aus aussenvolierenhaltung 7mon.alt, futterfest gekauft. Sie wird ganz langsam zutraulich. Was muss ich nun beachten,um nichts falsch zu machen. Bin ja noch verwöhnt durch meine „Alte “
    L.G.RHESA. Bekomme ich Sie überhaupt noch Handzahm bzw wird Sie auch das sprechen lernen?

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    1. papageien-blog Artikelautor

      Vier Wochen sind ja keine Zeit! Wenn sie jetzt schon zutraulich wird, ist das doch schon super! Zumal sie mit ihren 7 Monaten ja noch sehr jung ist. Ich bin sicher, du bekommst sie ganz zahm, wenn du dich viel mit ihr abgibst. Schön wäre es, wenn sie auch noch einen Partner bekommen würde. Auch als Paar gehalten lernen etliche Blaustirnamazonen das „Sprechen“, da sie sehr immitationsfreudig sind!

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  2. Thomas Rhesa

    Nun lebt meine „kleine „schon 6.Monate bei mir. Sie wird insofern zutraulich indem Sie aus dem Käfig kommt und Ihrem Spieltrieb freien Lauf lässt z b frische Aeste kleinhexelt.Sie geht auch selbst wieder in ihren Käfig. Nur sie nimmt immer noch kein Futter aus der Hand, geschweige sich anfassen lassen. Was kann ich realistisch erwarten? Vermutlich wird Sie niemals Handzahm oder?

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    1. papageien-blog Artikelautor

      Was isst sie denn am liebsten? Vielleicht mal damit anfangen, den Super-Leckerbissen nur noch aus der Hand anzubieten!

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  3. Thomas Rhesa

    Danke für lhren Tipp.Er fängt an sein Bananenleckerlie aus der Hand zu nehmen. Es bleibt aber nur bei einem Versuch, dann verlässt Ihn der Mut. Am nächsten Tag klappt es dann hoffentlich wieder. Es bleibt ein Gedultsspiel. L.G.RHESA

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      1. Thomas Rhesa

        Danke für die Ermutigung. Sie ist auch sehr verspielt, liegt auf dem Rücken u.spielt mit Jhrem Ball. Aber sobald ich meinen Finger hinhalte Will Sie reinbeissen, oder zieht sich schimpfend in die letzte Ecke zurück. Manchmal denke ich ob für mich nicht eine Handaufzucht besser gewesen wäre, da ich den Körper kontakt mit meiner Alten vermisse, einer Handaufzucht. Aber ich warte mal das nächste Jahr ab.

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