Welche Papageien?

Welche Papageien sind die richtigen für mich?

…wird oft vor der Anschaffung gefragt. Vorweg: Den idealen Papagei gibt es nicht! Alle Papageien sind laut, machen Dreck und sind nagefreudig. Nun gibt es Arten, bei denen die eine oder andere Eigenschaft ein bisschen intenisver ausgeprägt ist (wobei das auch immer noch vom einzelnen Individuum abhängt). Kakadus, Graupapageien und auch Nymphensittiche zum Beispiel stauben zum „üblichen Papageiendreck“ auch noch sehr stark. Manche Papageien besitzen Puderdunen, das sind kleine Federchen, die an der Spitze zu Staub zerfallen, welcher für die Gefiederpflege genutzt wird und das Gefieder wasserabweisend macht. Bei den genannten Arten macht sich dieser Staub besonders stark bemerkbar und schlägt sich als Ablagerung z.B. auf den Möbeln nieder. Manche Menschen reagieren empfindlich auf diesen Staub, anderen macht er weniger aus. Schon an diesem Beispiel sieht man, dass der „ideale Papagei“ doch eine sehr individuelle Angelegenheit ist! Ich selber musste mich von meinen Nymphensittichen wieder trennen, da ich mit dem Gefiederstaub überhaupt nicht klargekommen bin. Bei den Mohrenkopfpapageien hingegen nehme ich so gut wie keinen Staub wahr.

Für einen besonders ausgeprägten Nagetrieb sind neben den Kakadus auch die Edelpapageien und Weißbauchpapageien bekannt. Ich habe aber auch schon einen Graupapagei gekannt, der erst die Tapete und dann die Wand dahinter weggeraspelt hat. Wobei auch die kleinen Wellensittiche ganz schönen Schaden anrichten können, wenns drauf ankommt!

Als besonders laut bekannt sind Kakadus und Aras, wobei dies auch ein bisschen auf das einzelne Tier und dessen Gewohnheiten ankommt. Und natürlich auch auf die persönliche Empfindlichkeit des Halters. Es gibt auch Menschen, die stören sich am Dauerbrabbeln von Wellensittichen.

Als relativ „brav“ was sowohl Lautstärke als auch Nagetrieb angeht, gelten die Rotsteißpapageien, vornehmlich Maximilianpapageien und Schwarzohrpapageien. Wer sich diese Vögel zulegen möchte, sollte jedoch bedenken, dass sie sehr anfällig für Aspergillose sind und von daher auf jeden Fall bei einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit (ca. 70 %) oder mit Zugang zu einer Außenvoliere gehalten werden müssen und noch stärker als bei den anderen Arten auf eine pilzfreie, saubere Umgebung geachtet werden muss. Was bedeutet, dass der Halter sehr konsequent bei der Reinigung sein muss.

Besonders anspruchsvoll in der Haltung sind Loris. Das sind Vögel, die sich überwiegend von Obst und Nektar ernähren. Das heißt zusätzlich zur etwas anspruchsvolleren Nahrungsbereitstellung, es gilt in größerem Maße als bei den anderen Papageien Obstreste und -breie zu entfernen, auch die Hinterlassenschaften sind breiiger und weniger gut wegzumachen.

Dann gibt es noch Arten, die sind dafür bekannt, dass sie gerne mal beißen, auch ohne besonderen ersichtlichen Grund. Dazu gehören z.B. die Weißbauchpapageien und Amazonen. Auch hier muss man jedoch differenzieren. Bei diesem Punkt kommt es ganz besonders auch auf die Vorgeschichte und die Haltungsbedingungen an. Handaufzuchten haben meist keinen Respekt vor der Hand und beißen leicht mal zu. Auf den Menschen fehlgeprägte Tiere greifen schon mal aus Eifersucht andere Menschen an. Während meiner Kindheit hatten wir eine einzeln gehaltene Amazone, ein richtiges „Frauentier“, sie hat einige Male Männer ohne ersichtlichen Grund und ohne erkennbare Vorankündigung böse gebissen. Es gibt aber auch eine ganze Reihe liebe und friedliche Amazonen und Weißbäuche, besonders dann, wenn sie artgerecht mit einem gegengeschlechtlichen Partnertier gehalten werden. Eine Garantie, dass nicht gebissen wird, hat man auch bei den anderen Arten natürlich nicht. Dass das Aggressionspotential während der Brutzeit ansteigt, ist normal. Instinktiv soll das Weibchen bzw. das Gelege verteidigt werden.

Auch Mohrenkopfpapageien wird eine gewisse Aggressivität nachgesagt, diese bezieht sich jedoch eher auf andere Vögel, auch der eigenen Art. Selbst das Partnertier ist hiervon nicht unbedingt ausgeschlossen. Dies ist hauptsächlich während der Brutzeit zu beobachten, und zwar dann, wenn die Vögel in einer zu engen Haltungseinrichtung sitzen. Mohrenkopfpapageien brauchen viel Platz und müssen sich auch mal ausweichen können.

Nun möchte ich aber ganz gewiss nicht bestehende Vorurteile gegen einzelne Papageienarten festzementieren, deshalb sei noch einmal darauf hingewiesen, dass oben beschriebenes nicht auf jedes Exemplar einer Art zutreffen muss. Allerdings sowohl im positiven als auch im negativen Sinn. So kann man auch mal einen Maximilianpapagei erwischen, der sich gerne schreien hört, beißt und Gegenstände kaputt macht. Die Haltungsbedingungen sowie die Herkunft und Vorgeschichte der Tiere ist sicher wichtig, es ist aber auch eine Charakterfrage. Papageien sind nun mal sehr charaktervolle Tiere, und wer sich nicht auf einen „worst case“ einstellen kann, sollte besser die Finger von einer Haltung lassen. Auf Deutsch: Immer mit dem Schlimmsten rechnen und gewappnet sein!

Da gerade Lautstärke, Dreck und ähnliches auch vom Menschen als unterschiedlich schlimm empfunden wird, macht es Sinn, sich vor der Anschaffung von Papageien bei anderen Haltern zu informieren und Haltungen auch mal „live“ anzugucken. Auch Besuche bei guten Züchtern sind zu empfehlen. Wenn Züchter gerade ihre Art als völlig problemlos anpreisen, ist allerdings Vorsicht geboten. Eine kritische, realistische Aufklärung zeichnet einen guten Züchter aus. Es sollte nicht im Vordergrund stehen, dass die Vögel schnellstmöglich zu einem guten Preis verkauft werden, sondern dass sie ein Zuhause finden, in dem sie auch dauerhaft bleiben können, weil die zukünftigen Halter darüber informiert sind, was auf sie zukommt und wie sie damit umgehen können.

Papageien sind eine Anschaffung für viele Jahre, da sollte man sich nicht scheuen, sehr viel Zeit in die Vorbereitung zu stecken und auch mal Strecken auf sich zu nehmen um andere Halter oder Züchter zu besuchen, um sicherzustellen, dass nachher die Tiere auch zu einem passen. Ein Kind versorgt man so um die zwanzig Jahre, da dauert die Schwangerschaft neun Monate. Einen Papageien hat man unter Umständen 30 Jahre oder noch länger. Sollte man sich da nicht auch zumindest einige Wochen Zeit nehmen, den Gedanken wachsen und reifen zu lassen, Informationen zu sammeln und das Kommen optimal vorzubereiten?

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