Vergesellschaftung von Mohrenkopfpapageien

– meist klappt es, aber es braucht Zeit!

Es gibt Sittiche bzw. Papageienarten, bei denen stellt die Vergesellschaftung kein großes Problem dar. Wellensittiche zum Beispiel kann man meist sofort ohne große Schwierigkeiten zusammen setzen. Selbst Tiere, die jahrelang alleine waren, gewöhnen sich in der Regel schnell an einen Artgenossen. Auch wenn sie vielleicht kein Liebespaar werden, leben sie doch munter und vergnügt miteinander.

Foto: Wellensittiche lassen sich leicht vergesellschaften

Bei vielen Papageienvögeln ist die Vergesellschaftung jedoch heikler. Sehr speziell sind zum Beispiel Mohrenkopfpapageien. Sie sind in ihrem Sozialverhalten nicht einfach. Hier wäre es Gift, zwei sich fremde Vögel einfach so zueinander zu setzen.

Zunächst einmal ist zu beachten, dass man unbedingt ein gegengeschlechtliches Tier als Gesellschaft braucht. Zwei Weibchen, oder, noch schlimmer, zwei Männchen, vertragen sich selten. Meist wird auch empfohlen, ein ungefähr gleichaltriges Tier als Partnertier auszuwählen. Hier habe ich jedoch auch schon andere Erfahrungsberichte gehört. Dennoch halte ich es nicht für sinnvoll, ein Tier, welches jünger ist als 2 Jahre, zu einem erwachsenen Vogel dazu zu gesellen, besonders wenn der erwachsene Vogel männlich ist.

Den Partner selber aussuchen lassen?

Bei manchen Papageien, z.B. Graupapageien, funktioniert es ganz gut, das Tier, welches einen Partner sucht, in eine Gruppe mit anderen partnerlosen Tieren zu setzen und zu gucken, mit wem es harmoniert. Dies würde ich bei Mohrenkopfpapageien nur bedingt empfehlen, nämlich nur bei juvenilen Tieren, also jugendlichen, noch nicht geschlechtsreifen Vögeln, so bis zu einem Alter von etwa zwei Jahren. Darüber hinaus muss beachtet werden, dass es vielleicht zu aggressiven Übergriffen kommen kann. So kann man nicht einfach drei erwachsene Hähne zu einer partnersuchenden Henne setzen. Die Hähne würden möglicherweise um die Henne rivalisieren und dabei auch „handgreiflich“ werden. Wer ein solches Experiment dennoch wagen will, sollte auf jeden Fall die ganze Zeit dabei sein und eingreifen können.

Foto: Schön, wenn sich zwei Vögel finden!

Was eher geht, ist bei einem Züchter, oder einer Vogelstation, wo es mehrere Mohren gibt, die Tiere nacheinander verschiedene Partner „beschnuppern“ zu lassen, um mal so ein grobes Stimmungsbarometer zu bekommen, mit wem es gar nicht geht und wo es vielversprechend sein könnte.

Ich möchte hier jedoch auch noch auf die Gefahr durch übertragbare Krankheiten hinweisen. Derer gibt es bei Papageien einige, man sollte seinen Papageien somit nur zu komplett untersuchten Tieren dazugeben, bzw. wenn man ein Tier dazuholt, darauf achten, dass dies komplett von einem vogelkundigen Tierarzt durchgecheckt ist (inclusive Virentests).

Was also tun, wenn man einen alleinstehenden erwachsenen Mohrenkopfpapagei hat? Zunächst einmal, sich viel Zeit nehmen und davon ausgehen, dass die Vergesellschaftung viele Tage oder vielleicht sogar Wochen dauern könnte. Und eine Garantie, dass es mit diesem Vogel, den man dazugeholt hat, überhaupt klappt, gibt es nicht. Mohren können da wählerisch sein. Dies sollte von vorneherein bedacht werden, indem man sich bewusst sein muss, das dazugeholte Tier vielleicht wieder zurückgeben zu müssen, bzw. durch ein anderes austauschen zu müssen. Auf eine zu enge Bindung Mensch-Papagei sollte man sich daher zunächst nicht einlassen! Zumal diese für eine Vergesellschaftung der Tiere eher hinderlich ist. Der Vogel soll sich ja dem anderen Papagei und nicht dem Halter anschließen!

Dann braucht man auf jeden Fall für die erste Zeit zwei Haltungssysteme. Also entweder eine zweite Voliere, ein zweites Vogelzimmer, o.ä. Die Tiere sollen sich ganz langsam kennenlernen können. Ganz besonders wichtig ist dies bei Vögeln, die bislang alleine gelebt haben und zum ersten Mal vergesellschaftet werden sollen. Hier ist in den ersten Tagen ein lediglicher Hörkontakt völlig ausreichend. Wenn sie sich an die Geräusche des anderen Papageien gewöhnt haben, kann man dann für ersten Sichtkontakt sorgen, aber immer noch weit auseinander. Ein Beobachten der Tiere ist hier sehr wichtig. Erst wenn beide Tiere den momentanen Zustand ganztägig ganz entspannt akzeptieren können, wird der nächste Schritt gemacht. Bei zwei Volieren kann man diese einander immer ein bisschen näher rücken. Wenn die Tiere dann mit einem geringen Abstand gut klarkommen, kann auch mal ein gemeinsamer Freiflug probiert werden. Gut ist, wenn beide Tiere das Clickertraining kennen, so dass man hier erwünschtes Verhalten bestätigen kann. Ansonsten ist es am besten, wenn man sich so weit wie möglich aus allem heraushält. Ganz wichtig ist, keinen der beiden Vögel zu bevorzugen. Wenn es doch mal nicht anders geht (einer muss manchmal halt der erste sein…) sollte man bei Mohrenkopfpapageien das männliche Tier bevorzugen, da dies bei dieser Art von Natur aus das dominante ist, ihm steht die Bevorzugung daher aus der Sicht der Tiere eher zu.

Auch wenn die Tiere dann im Freiflug miteinander klarkommen, würde ich sie nicht sofort ins gleiche Haltungssystem umziehen lassen, es sei denn, sie tun dies von sich aus. Ansonsten würde ich noch eine gewisse Zeit zuwarten, bis auch der gemeinsame Freiflug zu einer guten Gewohnheit geworden ist. Wenn die Tiere dann in ein gemeinsames Haltungssystem kommen, sollte dies komplett umgestaltet werden, um zu vermeiden, dass der ehemalige Bewohner einen „Heimvorteil“ hat. So gibt es keine Lieblingssitzplätze oder -schaukeln, die verteidigt werden müssten.

Auch wenn man anfangs oder zwischenzeitlich den Eindruck hat, dass die zwei nicht viel voneinander wissen wollen, sollte man sich davon zunächst nicht abschrecken lassen. Die Zeit muss es zeigen. Nur wenn nach einem Vierteljahr immer noch offene Feindseligkeiten bestehen, würde ich den Vergesellschaftungsversuch abbrechen. Wobei offene Feindseligkeiten beim Mohrenkopfpapagei schon echte Feindseligkeiten sein müssen. Ein etwas ruppiges Verhalten beim Umgang miteinander ist hier normal. Also dass sie mal gegenseitig nach ihren Füßen hacken, sich jagen, etc. Ein gegenseitiges Ignorieren über weite Strecken kann ein gutes Zeichen sein.

Letztlich braucht man viel Fingerspitzengefühl und Geduld, aber es lohnt sich, wenn man nachher ein glückliches Pärchen hat. Ob es nun ein „echtes“ Pärchen wird, was sich auch miteinander verpaart, oder nur eine Zweckgemeinschaft, die nur oberflächliche soziale Kontakte ausübt. Auf jeden Fall besser als ein Einzelvogel!

Foto: Zu zweit macht das Leben mehr Spaß!

Das mag sich jetzt alles ein bisschen kompliziert anhören, ist es aber nicht. Letztlich braucht man nur ein bisschen Geduld und Durchhaltevermögen.

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