Clickertraining

Clickertraining ist eine Trainingsmethode, die mit positiver Bestärkung arbeitet, also mit Belohnungen. Die Methode kommt ursprünglich aus der Delphindressur. Das besondere daran ist, dass man dem Tier nicht einfach eine Belohnung gibt, wenn es etwas gut gemacht hat, sondern dass man mit einem Marker arbeitet. Dem Clicker. Das ist so eine Art Knackfrosch, der ein klickendes Geräusch erzeugt:

Auf dieses Geräusch wird das Tier konditioniert, d.h. es muss zunächst lernen, etwas Positives mit dem Klicken zu verbinden. Wie macht man das? Indem man einfach einige Male klickt und jedesmal nahezu zeitgleich dem Tier eine Belohnung verabreicht. Ein Mohrenkopfpapagei lernt das übrigens sehr schnell! Auf welches Geräusch man das Tier konditioniert, ist im übrigen relativ egal, es muss nicht unbedingt ein Clicker sein. Es funktioniert auch ein Pfiff, ein bestimmtes Wort, o.ä. Sinnvoll ist halt, ein Geräusch zu nehmen, welches sonst im Alltag nicht groß vorkommt.

Ist das Tier erst mal auf den Clicker konditioniert, geht man dazu über, nur noch dann zu klicken, wenn das Tier etwas macht, was man belohnen möchte. Das Tier wird dann bald lernen: Aha, wenn ich mich diesem Stäbchen nähere (zum Beispiel), dann klickt es. Und es wird sich wiederholt dem Stäbchen nähern, um zu dem Klick, also zur Belohnung zu kommen.

So geht man Schritt für Schritt vor. Wenn ich also möchte, dass meine Papageien ein Stäbchen berühren, warte ich nicht hundert Jahre, bis sie das erste Mal zufällig das Stäbchen berühren, um das belohnen zu können. Ich gehe aber auch normalerweise nicht mit dem Stäbchen auf die Papageien los, da das Clickertraining ein angstfreies Training sein soll und da es gerade die Tiere zum Mitarbeiten, zum selber aktiv werden, animieren soll. Die Tiere sollen Spaß daran finden, herumzuprobieren, was von ihnen erwartet wird. Und das klappt!

Zurück zu dem Stab. Ich warte also, bis das Tier eine minimale Bewegung in Richtung Stäbchen zeigt. Sofort folgt der Click und die Belohnung. Kommt dann wieder eine Bewegung in Richtung Stäbchen, dasselbe. Schnell merkt das Tier, wo es langgeht. Es werden dann nur noch die schönsten, eindeutigsten Bewegungen in Richtung Stab geclickert. Und so geht es weiter, bis das Tier den Stab berührt. Wenn das Tier dann ganz sicher jedesmal den Stab berührt, und erst dann, führt man ein Signal ein. Man zeigt den Stab und sagt gleichzeitig z.B. „touch“. Der Vogel wird den Stab berühren und bekommt seinen Click und seine Belohnung. Nach einigen Malen bekommt er den Click nur noch, wenn der Befehl gesagt wurde, und nicht, wenn das Stöckchen ohne Befehl gezeigt wird. So hat er mit der Zeit dann auch den Befehl verinnerlicht. Man kann dann etwas herumprobieren, z.B. mal ein anderes Stöckchen, mal einen anderen Übungsplatz etc. ausprobieren. Wenn das alles perfekt funktioniert, wird der Clicker „ausgeschlichen“, d.h. man clickt nicht mehr jedes Mal, wenn der Vogel das gewünschte Verhalten zeigt. Denn langfristig gesehen soll der Befehl ja auch ohne Clicker funktionieren. Man klickt also nur noch jedes zweite oder dritte Mal und mit der Zeit immer seltener. Auch wenn der Clicker ganz ausgeschlichen ist, sollte man ganz ab und zu das Tier für das gewünschte Verhalten aber trotzdem mal wieder belohnen!

Hier mal ein kleiner Einblick:

Warum aber nun den Umweg über den Clicker und nicht direkt belohnen? Belohnungen bei Tieren funktionieren nur, wenn sie unmittelbar nach der zu belohnenden Handlung gegeben werden. Sonst bringt das Tier sie nicht mit dieser Handlung in Verbindung. Ist man zu spät dran, belohnt man vielleicht schon wieder etwas ganz anderes, was das Tier in der Zwischenzeit zwischen gewünschter Handlung und Belohnungsgabe gemacht hat. Mit dem Clicker kann man so gezielt und zeitnah belohnen. Und zwar auch dann, wenn das Tier nicht unmittelbar neben mir sitzt. Die Belohnung ist nämlich nicht die Gabe des Leckerchens, sondern das Clicken selber wird vom Gehirn als Belohnung erkannt.

Das Clickertraining hat für die Tiere den Vorteil, dass es eine sehr berechenbare Sache ist. Erfahrungsgemäß wächst bei Tieren, mit denen man clickert, auch sehr schnell das Vertrauen zum Trainer. Es ist deshalb auch eine tolle Methode, um scheue Papageien zahm zu bekommen. Solange die Tiere nicht aus der Hand fressen, geht man dabei nach der sogenannten „Brettchen-Methode“ vor. Das heißt, das Tier wird folgendermaßen auf den Clicker konditioniert: Man klickt und legt zeitgleich ein Leckerchen auf ein Brettchen, wo der Papagei es gut sehen kann. Dann entfernt man sich und lässt den Vogel das Leckerchen fressen. Danach kommt man wieder, klickt wieder und legt wieder ein Leckerchen hin. Dieser Lernprozess ging bei meinen Papageien echt schnell. Am längsten hat es gedauert, bis sie sich die ersten paar Male getraut haben, das Leckerchen abzuholen. Aber wenn es wirklich ein super leckeres Leckerchen ist, was es sonst nicht gibt, klappt auch das!

Weiter geht es dann wie oben beschrieben, nämlich dass dann nur noch bei dem Verhalten geklickt wird, welches man verstärken möchte. Bei scheuen Papageien muss man da meist seeehr langsam voranschreiten! Irgendwann kommt man jedoch zu einem Punkt, ab dem es richtig gut klappt!

4 Gedanken zu „Clickertraining

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  3. Susanne Rückemann

    Die Grundprinzipien des Trainings wurden hier gut beschrieben, allerdings liegt beim Umsetzen der „Negativen Verstärkung“ meines Erachtens nach ein falsches Vorgehen vor. Beschrieben ist die Anwendung der „Negativen Verstärkung“ in diesem Absatz:

    „Es ist deshalb auch eine tolle Methode, um scheue Papageien zahm zu bekommen. Solange die Tiere nicht aus der Hand fressen, geht man dabei nach der sogenannten “Brettchen-Methode” vor. Das heißt, das Tier wird folgendermaßen auf den Clicker konditioniert: Man klickt und legt zeitgleich ein Leckerchen auf ein Brettchen, wo der Papagei es gut sehen kann. Dann entfernt man sich und lässt den Vogel das Leckerchen fressen. Danach kommt man wieder, klickt wieder und legt wieder ein Leckerchen hin“

    Das Prinzip der „Negativen Verstärkung“ funktioniert so: Das, was den Papagei belastet, wird so weit entfernt, damit er das erwünschte Verhalten zeigen kann und in dem Moment wird er belohnt. Was heißt das konkret im obigen Beispiel:
    Der scheue/furchtsame Vogel mag die Nähe des Menschen (noch) nicht, kommt also gar nicht erst, um sich ein Leckerchen abzuholen, weil er die Menschnähe vermeiden möchte. Nun will ich aber dem Vogel beibringen, dass ich nicht schlimm und böse bin und will ihn gleichzeitig auf den Klicker konditionieren.
    Ich lege also (ohne Click!) das Leckerchen auf dem Brett ab und entferne mich so weit (z. B. 5m) , dass sich der Vogel entspannen kann und das erwünschte Verhalten (Leckerchen holen) zeigt. Genau in dem Moment, in dem er das Leckerchen vom Brett nimmt, klicke ich (falls ich den Clicker verwende – wir verwenden unsere Sprache beim Training). Nur so kann der Vogel lernen: Click = Lecker.

    Danach gehe ich wieder auf den Vogel (das Brettchen) zu, der Vogel wird sich entfernen, ich lege das Leckerchen ab und entferne mich wieder (dieses Mal evtl. nur 4,5m). Der Vogel wird sich das Leckerchen gerne holen (falls ich Training mit sinnvollem Futtermanagement koordiniere) und genau in dem Moment wird geklickt! (NICHT, wenn ich das Leckerchen ablege!!!)

    So kann man nach und nach die Distanz verringern und hat nach unseren Erfahrungen mit schwerst gestörten Vögeln nach spätestens drei bis vier Tagen den Erfolg, dass der Vogel das Futter aus der Hand nimmt bei 2 Trainingseinheiten täglich.

    Ganz wichtig ist anfangs, dass man sich weit genug entfernt und genau dann klickt, wenn der Vogel das Leckerli nimmt. Wichtig ist auch, dass man die anfangs große Entfernung zum Vogel schrittweise reduziert.
    Anwendung der negativen Verstärkung ist eines dere schwierigsten Trainingskapitel, ich hoffe, ich konnte es verständlich formulieren.
    Mit freundlichen Grüßen
    Susanne Rückemann

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  4. papageien-blog

    Danke, Susanne, für diese ausführliche Ergänzung! Die von dir beschriebene Methode ist von daher sehr sinnvoll, da tatsächlich von Anfang an schon ein erwünschtes Verhalten (die Annäherung) geclickert und belohnt wird.
    Bei der von mir beschriebenen Methode geht es schlicht um das Konditionieren des Clickers, also dass der Vogel lernt: Click bedeutet Belohnung. Mit meinen Wellensittichen, mit denen ich das Clickertraining angefangen habe, wäre die von dir beschriebene Methode nicht möglich bzw. viel zu zeitaufwändig gewesen. Es hat am Anfang Stunden gedauert, bis sie das Leckerchen von dem Brettchen genommen haben. Erst nach einigen Tagen (aber immerhin!) hatten sie den Zusammenhang gelernt: Wenn es „Klick“ macht, ist das Leckerchen da, und wurde dann auch sofort abgeholt. Von da an konnte ich dann beginnen, erst zu clicken, wenn ein gewünschtes Verhalten (z. B. Annäherung) gezeigt wurde. Diesen Zusammenhang haben sie dann aber sehr schnell begriffen und von da an war es einfach. Und ein kurzer Weg, bis sie dann tatsächlich bei mir auf der Hand saßen und die Belohnung direkt von mir angenommen haben.
    Bei später hinzugekommenen Wellensittichen, die bei den anderen abgucken konnten und schneller bereit waren, ein Leckerchen abzuholen (manche auch von Anfang an direkt aus der Hand) habe ich es übrigens dann auch mit der von dir beschriebenen Methode gemacht, also die Tiere so auf den Clicker konditioniert, indem ich in dem Moment geclickt habe, wo die Belohnung genommen wurde. Es ist eine Abkürzung.
    Das Clickertraining ist wirklich eine faszinierende Methode!
    Es ist wohl so, dass manchmal mehrere Wege zum Ziel führen, wichtig finde ich, zu gucken, was individuell zu meinen Tieren passt.
    So hat mein Mohrenkopfhahn Seppl sehr schnell die Belohnung aus der Hand genommen, während ich mit Vroni lange nach der „Brettchenmethode“ trainiert habe, da sie einfach sehr handscheu war. Daher habe ich sie anfangs sehr viele Dinge erst mal nur mit dem Targetstick machen lassen. Irgendwann war dann auch die Hand kein Thema mehr. So ist jeder Vogel anders, was letztlich auch sehr spannend ist!
    Es ist wirklich klasse, dass du selbst bei schwerst gestörten Tieren mit dem Clickertraining so große Erfolge erzielst. Es zeigt, wie hilfreich diese Methode tatsächlich ist, und dass sie nicht nur ein Spaßprogramm darstellt, um blöde Tricks einzustudieren, was ja oftmals als Kritik vorgebracht wird („Der Vogel wird dressiert, vorgeführt“ etc.), sondern dass sie wirklich dazu dienen kann, den Umgang mit den Vögeln zu erleichtern und diesen ein stressfreieres Leben zu ermöglichen. Ich denke da beispielsweise gerade an Vögel, für die es bereits ein Stress darstellt, wenn die Voliere gereinigt werden muss, o.ä. Und ein stressfreies Leben bedeutet immer auch ein gesünderes Leben!

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