„Einsteigerpapageien“

gibt es das? Gibt es Papageien, die wesentlich pflegeleichter sind als andere, so dass sie sich ganz besonders für Anfänger in der Papageienhaltung eignen? Nun, wenn man die ganze Bandbreite der Sittiche und Papageien betrachtet, würde ich sagen: Ja! Es gibt sie, es sind die allseits bekannten und beliebten Wellensittiche. Hier ist der Platzbedarf nicht ganz so groß wie bei den großen Papageien, die Anforderungen an die Luftfeuchtigkeit sind geringer, sie können nicht so laut schreien (sind halt Dauerbrabbler), sind supereasy zu vergesellschaften, die Nahrungsansprüche sind nicht so hoch, sie werden leicht zutraulich und haben, bis auf einige Hennen, ein niedriges Aggressionspotiential, etc.

Und was ist mit Nymphensittichen? Fragt sich vielleicht jetzt der eine oder andere. Die sind doch auch pflegeleicht? Nymphensittiche haben jedoch schon einen wesentlich höheren Platzbedarf als Wellis. Sie können viel lauter schreien, sind oft schwierig zu vergesellschaften und geben sehr viel Gefiederstaub ab, was mit einem höheren Putzaufwand verbunden ist (und auch nicht von jedem vertragen wird). Wer das alles berücksichtigt und damit klar kommt, wird auch als Anfänger in der Vogelhaltung mit Nymphies glücklich sein können. Dies gilt auch für andere Sitticharten mit ähnlichen Ansprüchen (Glanzsittiche, Bourkesittiche, Schildsittiche etc.).

Nun habe ich aber erst mal über Sittiche geschrieben. Wie ist es nun aber mit Papageien? Welche sind denn da besonders pflegeleicht? Hier muss ich euch leider enttäuschen. Pflegeleicht und Papageien, das sind im Grunde Gegensätze. Da ist nix mit: Ich kauf mir mal zwei, setz sie zusammen, geb ihnen jeden Morgen Futter und Wasser, und gut. So gut wie alle Papageien brauchen eine hohe Luftfeuchtigkeit, die meist zumindest in den Wintermonaten mittels eines Luftbefeuchters hergestellt werden muss. Sie brauchen Platz, eine Zimmervoliere mit weniger als 2x1x2 m (LxBxH) halte ich für keine Papageienart als ausreichend. Viele brauchen noch größere (z.B. Aras, Kakadus, etc.). Sie sind durchweg schwierig zu vergesellschaften, viele Arten sind nicht im Schwarm, sondern nur als Paar zu halten (dies trifft übrigens auch auf einige Sitticharten zu). Sie sind von der Nahrung her anspruchsvoller als australische Sittiche, da sie einen hohen Obstanteil benötigen. Dies ist automatisch mit größerer Schweinerei verbunden. Sie brauchen täglich mehrere Stunden Freiflug, und zwar unter Aufsicht, da sie große Zerstörer sind. Ihr Nagebedürfnis ist enorm (auch dies trifft allerdings für manche Sitticharten ebenfalls zu). In der Brutzeit können auch zahme Tiere plötzlich Aggressionen an den Tag legen und aus menschlicher Sicht „schwierig“ werden. Sie verzeihen Haltungsfehler nicht so leicht, sondern reagieren gerne mit Verhaltensproblemen (Rupfen, Schreien, etc.).

Warum tut man sich das an? Muss man ja nicht. Ich würde es nur empfehlen, wenn die Verhältnisse wirklich ideal sind. Wenn genug Platz da ist, genug Zeit, genug Geld, auch mal einen teuren Tierarztbesuch zu zahlen. Die Bereitschaft, sich über die Bedürfnisse der Tiere zu informieren. Die Bereitschaft, für mögliche Partnertiere auch mal weit zu fahren, Geduld bei Vergesellschaftungen, die Bereitschaft auch mal Schäden am Mobiliar oder der Tapete hinzunehmen, eine gewisse Lärmresistenz, auch bei den Nachbarn, usw. Wenn dies alles gegeben ist, kann man es auch als Anfänger in der Vogelhaltung mit Papageien „wagen“. Denn es sind tolle Tiere, intelligent und mit einem ausgeprägten Sozialverhalten. Auch an nicht oder weniger zahmen Tieren kann man große Freude haben, einfach am Beobachten. Wobei die schlauen Tiere zumeist merken, wer es gut mit ihnen meint und im Laufe der Zeit zutraulich werden, auch wenn sie aus schlechter Haltung kommen oder nicht an Menschen gewöhnt sind.

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